Im Fokus: Vereinigte Arabische Emirate (VAE)

Eines der reichsten Länder der Welt

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Dubai und Abu Dhabi gehören zu den bekanntesten Emiraten der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), einem der reichsten und am schnellsten wachsenden Länder im Nahen Osten. Mit ihren großen Erdölvorkommen und einer dynamischen Wirtschaft bieten die VAE attraktive Möglichkeiten für deutsche Arbeitskräfte. 

Doch das Leben in Dubai unterscheidet sich deutlich von Europa, und es warten zahlreiche kulturelle Besonderheiten. Wer nach Dubai auswandern möchte, sollte sich auf neue Erfahrungen und Herausforderungen vorbereiten. Weitere Einblicke und Tipps gibt unser Länderexperte Nick Meyer-Welz auf dieser Seite.

Umgangsformen in den VAE: Kulturelle Besonderheiten und Respekt im Alltag

Auf deutsche Einwanderer werden die Umgangsformen in den VAE zunächst ungewohnt wirken. Begrüßungen sind lang, herzlich und mit körperlicher Berührung verbunden. Unter Männern oder Frauen ist der Händedruck, das Wangenküssen, eine Umarmung, ein Nasenküsschen (emiratische Eigenheit) oder der Stirnkuss (bei Älteren) Gang und Gäbe. Zum jeweils anderen Geschlecht hält man jedoch Distanz und es ist nicht üblich, sich die Hand zu geben oder sich anzufassen.

In Gesprächen ist der Körperabstand geringer als in Westeuropa. Sich nach dem Wohlbefinden zu erkunden, gehört zum guten Ton, jedoch wird beispielsweise nicht nach der Ehefrau gefragt. Diese Dinge sind Privatsache.

Man spricht sich üblicherweise mit dem Vornamen an. Nach der islamischen Tradition wird der Stammbaum väterlicherseits weitervererbt: Der Vorname des Vaters wird an die Kinder weitergegeben, die diesen dann als Familiennamen tragen. Somit sind Namen teilweise sehr lang, da sie den kompletten Stammbaum in sich tragen. Ältere Menschen werden aus Respekt nicht mit Namen, sondern mit Onkel oder Abu "Vater von" plus Name des ältesten Sohnes betitelt. Ein anderer respektvoller Titel ist auch Ibn "Sohn von" plus Name des Vaters.

Die Kunst der Kommunikation in den VAE und ihre kulturellen Nuancen

In der arabischen Kultur sind persönliche Beziehungen von großer Bedeutung. Egal um welches Thema es geht, empfiehlt es sich, vorab etwas Smalltalk zu führen, um Sympathie und Vertrauen aufzubauen. Dies gilt für Verkaufsgespräche, Behördengänge und private Gespräche. Die direkte, sachliche Art der westlichen Kommunikation wird eher als unhöflich empfunden. Bei Verkaufsabschlüssen spielt die persönliche Beziehung eine entscheidende Rolle – „Überzeugen Sie Ihr Gegenüber zuerst von sich selbst, dann von Ihrem Produkt“. Falsches Lob oder Heuchelei ist unerwünscht und fällt oft negativ auf. Am besten bleibt man authentisch, hebt Gemeinsamkeiten hervor oder spricht über Kultur und Herkunft.

Bei negativen Antworten oder Absagen wird eine direkte Ablehnung vermieden. Stattdessen ist es üblicher, die Entscheidung hinauszuzögern. Ausdrücke wie „Wir sehen später mal“ oder „Ich melde mich“ kommen besser an als ein direktes „Nein“. Diese indirekte Kommunikation wird als respektvoller empfunden. Wer zwischen den Zeilen lesen kann, ist im Vorteil. Dies gilt auch in der privaten Kommunikation, da Kritik offen anzusprechen in der arabischen Kultur als kränkend angesehen wird. In der Regel wird eher hinter dem Rücken über andere gesprochen.

In den VAE ist es auch nicht unüblich, um Hilfe zu bitten. Dies ist kein Zeichen von Schwäche, sondern wird als normal betrachtet. Ebenso wird es als positiv wahrgenommen, wenn man selbst Hilfe anbietet, auch wenn man nicht sicher ist, ob man tatsächlich helfen kann. Das Angebot von Hilfe zeigt immer guten Willen und Respekt.

Straßenverkehr in den VAE

Straßenverkehr in den VAE - laut, lebhaft und schnell? Stadtzentren, wie man sie aus Europa kennt, gibt es eher nicht. Vielmehr sind es einzelne Orte, wie Einkaufszentren oder Parkanlagen, an denen das Leben spielt. Um sich in der Stadt zurechtzufinden, hilft manchmal nicht einmal ein Navigationsgerät. Das Straßenbild und die Örtlichkeiten ändern sich wegen der regen Bautätigkeit sehr schnell. Es ist schwierig, ein Navigationsgerät mit aktueller Software zu finden, die alle aktuellen Veränderungen erfasst. Besonders trifft dies auf Dubai und Abu Dhabi zu.

Adressen mit Straßennamen und Hausnummern gibt es nicht. Deshalb orientieren sich alle Einwohner an zentralen Plätzen oder markanten Gebäuden. Für Neuankömmlinge gilt: Es lohnt sich, immer eine Kontaktnummer von jemandem am Zielort bei sich zu haben, um sich im Notfall lotsen zu lassen.

Abu Dhabi, Dubai, Sharjah und Ajman sind im Dauerstau. Besonders extrem ist der Berufsverkehr zwischen Sharjah und Dubai am Morgen und am Abend. Dort braucht man manchmal zwei Stunden für einige Kilometer.

Dann doch lieber Taxi oder Bus? Taxis sind grundsätzlich die besten Fortbewegungsmittel. Sie fahren ganz offiziell nach Taximeter und es wird dabei nicht getrickst. Viele Taxifahrer kennen sich aber selbst nicht besonders gut aus und die Verständigung ist meistens schwer. Öffentliche Verkehrsmittel sind nur in Dubai zu empfehlen. Für Linienbusse und die Metro braucht man vorher eine Prepaidkarte. Bargeld wird vom Busfahrer nicht akzeptiert. Auch zwischen den Emiraten gibt es ein gutes Verbindungsnetz per Bus. Für Fußgänger ist das Land nicht gemacht. Fußwege - wenn es überhaupt welche gibt - enden meist nach kurzer Strecke im Nichts.

Schnell fallen die Aggressivität und das Gedrängel im Straßenverkehr auf. Meist sind es Einheimische mit Luxusautos, die dicht auffahren und aufblenden, links überholen und in jede Lücke springen. Andere Einwohner haben diese Sitten übernommen. Hier heißt es kühlen Kopf bewahren und defensiv fahren.

Falls es zu einem Unfall kommt, wird immer die Polizei gerufen. Das hat mehrere Gründe. Viele Werkstätten und Versicherungen benötigen einen Polizeibericht, um tätig zu werden. Auch bei geleasten Autos oder bei Firmenwagen ist meist ein Bericht notwendig. Bei Unfällen mit Verletzen kann es sein, dass die Polizei die Beteiligten erst einmal mit zur Polizeistation nimmt, um die Umstände zu klären. Wichtig zu wissen: Erste Hilfe zu leisten, kann problematische Folgen haben. Daher lieber Hände weg davon und besser sofort den Notruf wählen.

Mit einem deutschen Führerschein und einer Aufenthaltsgenehmigung bekommt man ohne Probleme einen emiratischen Führerschein ausgestellt.

Wirtschaftsleben in den VAE

Eine Leidenschaft in den VAE ist der Drang nach "Neuem" und "Aktuellem". Alles muss erneuert werden, auch wenn es dafür keinen Grund außer der Erneuerung selbst gibt. So werden funktionstüchtige Krankenhäuser, Straßen, Moscheen und vieles mehr abgerissen und erneuert. Die neueste Technik verkauft sich allein, weil es die neueste Technik ist. "Neu" ist ein wichtiges Marketingtool.

Beim Verkauf auf dem Wochenmarkt oder bei formellen, hochpreisigen Geschäften liegt den Menschen des vorderen und hinteren Orients das Feilschen im Blut. Den Preis grundsätzlich höher anzusetzen, ist also die Regel. Ein Araber oder Asiate wird zufrieden sein, wenn er auf den geforderten Preis einen Nachlass bekommt.

Ein Verkaufsgespräch oder Geschäftstermin kann manchmal etwas mehr Zeit kosten. Zeit und Pünktlichkeit haben in den VAE eine untergeordnete Bedeutung. "Wenn nicht heute, dann morgen." Als Deutscher Einwanderer muss man sich in Geduld üben und sich von der Vorstellung verabschieden, dass Pünktlichkeit ein Zeichen von gegenseitigem Respekt ist. In der orientalischen Kultur ist das nicht so. Man nimmt sich Zeit und ist flexibel. Auch in der schriftlichen Kommunikation sind Sätze wie: "Bitte schicken Sie mir das Angebot bis dann und dann" unüblich und versprechen nur wenig Erfolg.

Diese in Deutschland unbekannte Unzuverlässigkeit gehört in der arabischen sowie asiatischen Kultur zum Alltag. Termine, Verträge oder Abmachungen werden nicht immer eingehalten und dann neu verhandelt. Es erfordert viel Fingerspitzengefühl, einen Araber oder Asiaten auf das gegebene Wort festzunageln. Geduld ist hier wichtiger als Kritik oder gar Aggression. Ein gewisses autoritäres Auftreten führt aber manchmal zum Ziel.

Religiöse Werte und gesellschaftliche Normen im islamischen Alltag der VAE

Der Islam ist die Leitkultur, an der sich die Gesellschaft der Golfregion orientiert. Selbst Muslime, die offensichtlich nicht religiös sind, sind dennoch von der islamischen Gesellschaftsordnung mit ihren Moral- und Wertvorstellungen geprägt. Nicht an einen Gott zu glauben, ist für Muslime unverständlich und zeugt von Ignoranz. Ein überzeugter Atheist sollte dies nicht aktiv kommunizieren. Auch wenn es einige Stadtteile in Dubai gibt, zu denen der Gebetsruf nicht vordringt - man kommt um eine Auseinandersetzung mit dem Islam nicht herum.

Freitag ist der wöchentliche Feiertag. Der Samstag ist offiziell der zweite Tag des Wochenendes und in der Privatwirtschaft teilweise auch frei. Gegensätzlich zur westlichen Vorstellung, die Verschleierung sei ein freiheitsunterdrückender Zwang, zeigen Frauen in den Golfstaaten so ihre Frömmigkeit und fordern dadurch Abstand und Respekt ein. Sie sind lieber unter sich und definieren auf diese Weise ihren Freiraum. Einer muslimischen Frau sollte man nicht die Hand reichen und sie möglichst auch nicht ansprechen.

Geschlechtertrennung findet man in den VAE auch in Ämtern, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Wartezimmern. Teilweise existieren sogar eigene Stadtparks oder Bankfilialen ausschließlich für Frauen. Einer westlichen Frau wird das Nichtbeachten der Geschlechtertrennung meist nachgesehen. Ein Mann sollte darauf jedoch tunlichst achten. 

Vor allem bei privaten Besuchen (bei Emiraties ganz selten) ist auf die Geschlechtertrennung zu achten. Frauen und Männer werden in separaten Zimmern oder Bereichen empfangen. Gegessen wird unter Frauen bzw. Männern und am Ende des Besuchs trifft man sich am Eingang wieder. Kinder vor der Pubertät dürfen sich in beiden Bereichen frei bewegen und sind meist die Überbringer von Nachrichten.

Wie sollte man als westliche Frau mit dieser Situation umgehen? Eine Frau, die im Geschäftsleben oder von der Gesellschaft ernst genommen werden will, sollte sich anpassen und rücksichtsvoll handeln. Geschlossene Kleidung ist dringend angeraten: Sich in der Öffentlichkeit nicht zu freizügig zu kleiden, ist angebracht und hat viele Vorteile, besonders für allein reisende Frauen. Freizügige Kleidung bei Frauen ist ein Zeichen von Morallosigkeit und kann zu ungewollten Annäherungen führen. Leicht wird man sonst in den VAE mit einer Prostituierten (die das Nachtleben Dubais beherrschen) verwechselt. Wer eine langfristige Beziehung aufbauen will, sollte Bildung und Familiensinn in den Vordergrund stellen und nicht versuchen, die erotische Ausstrahlung spielen zu lassen.

Im Ramadan laufen die Uhren anders. Tagsüber wird nicht gegessen, getrunken, geraucht oder Musik gehört. Sex ist Tabu. Viele Restaurants haben tagsüber geschlossen. Nach Sonnenuntergang wird das Fasten gebrochen und das Leben fängt an. Die gesetzliche Arbeitszeit beträgt höchstens 6 Stunden täglich. Behörden schließen früher als sonst. Allgemeine Geschäftszeiten ändern sich, Läden haben oft bis spät in die Nacht geöffnet. Muslime widmen sich vermehrt Gottesdiensten und sind deshalb zeitlich seltener verfügbar. Auch Nicht-Muslime müssen diese Regeln beachten. Sonst tolerierte Freizügigkeit ist im Ramadan nicht angebracht.

Schulen

Staatliche Schulen sind den Einheimischen vorbehalten. Für sie gibt es eine kostenlose Rundumverpflegung von Kindergarten bis Universität. Das Niveau dieser Schulen ist sehr gut. Private Schulen sind für Ausländer, nach Nationalitäten geordnet, meist nach englischem Curriculum. Es gibt alle Preis- und Qualitätskassen. In Dubai und Abu Dhabi sind die Schulen meist sehr teuer. Es gibt aber auch vergünstigte Wohlfahrtsschulen.

Einige private arabische Schulen orientieren sich am Lehrplan des Bildungsministeriums. Dieser steht leistungsmäßig über dem deutschen. In Sharjah, Dubai und Abu Dhabi gibt es deutsche Schulen im mittleren bis hohen Preissegment.

Einladungen und Besuche

Familienwerte zählen sehr viel, mehr als Arbeit und materielle Werte. Daher wird die Arbeit manchmal auch für familiäre Angelegenheiten vernachlässigt. Dazu gehört auch das Miteinander unter Freunden. Einladungen abzulehnen ist unhöflich. Jedoch muss man durch wiederholtes Abweisen abschätzen, ob die Einladung wirklich ernsthaft oder nur förmlich war. Dieses wiederholte Abweisen gehört auch zur guten Manier. Wer dann ernsthaft eingeladen wird, darf sich auf einen Abend nach dem Motto "der Gast ist König" freuen.

Traditionell isst man gemeinsam von einem Teller und mit der Hand. Je nachdem, wie traditionell das Zusammentreffen ist, liegen jedoch Besteck und Geschirr bereit. Einem Besucher wird immer reich aufgetischt. Dieser sollte dann auch zugreifen, auch wenn es nur ein Probieren ist. Den Gast zu fragen, was er gerne essen möchte, ist unhöflich, deshalb wird meistens einfach aufgetischt. Ein "Danke, ich bin satt" ist immer passender, als etwas mit den Worten "Das schmeckt mir nicht" abzulehnen. 

Ein Herumführen im Haus oder gar Blicke in die Schlafzimmer zu werfen, ist sehr kulturfremd. Auch die Unterstützung beim Ausrichten der Feier, vielleicht sogar das Selberkochen eines Besuchers, ist etwas für den Gastgeber äußerst Beschämendes. Kleine Geschenke sind angebracht, auch wenn sie nur einen symbolischen Wert haben. Unangebracht ist es zu fragen, was der Beschenkte denn für ein Geschenk wünscht.

Als Deutscher in der arabischen Welt

Deutsche in den Vereinigten Arabischen Emiraten müssen oft mit dem Vorurteil kämpfen, sie seien unflexibel, arrogant, arm an zwischenmenschlichen Beziehungen und nicht gastfreundlich. Grundsätzlich wird man als Deutscher jedoch hoch angesehen. Vor allem Eigenschaften wie Fleiß, Pünktlichkeit und Intelligenz werden hoch geschätzt. Wenn man einer Eigenschaft nicht gerecht wird, kann es passieren, dass einem die anderen guten Eigenschaften auch aberkannt werden. Wer schon nicht pünktlich wie ein Deutscher ist, kann auch nicht zuverlässig wie ein Deutscher sein. Man sollte sich also bemühen, den positiven Vorurteilen gerecht zu werden.

Es gibt viele Möglichkeiten, in kulturelle Fettnäpfe zu treten. Jedoch kennen Araber die westliche Kultur meist besser als wir die arabische. Außerdem sind sie kulturell toleranter. Aus den westlichen Medien, von Reisen und von den vielen Fremden im Land sind ihnen europäische und angelsächsische Verhaltensweisen wohl bekannt. Sie unterstellen deshalb meist keine böse Absicht und verzeihen auch mal einen kulturellen Fehler.